Alkohol gelangt schneller ins Gehirn als viele vermuten. Bereits nach 6 Minuten erreicht er das zentrale Nervensystem. Der Abbau dauert dagegen mehrere Stunden. Wer an Karnevalsmontag größere Mengen konsumiert, spürt die Folgen meist am nächsten Morgen. Häufig treten Nachdurst, auch Brand genannt, sowie ein ausgeprägter Kater auf. Der medizinische Begriff dafür lautet Veisalgia. Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und ein allgemeines Schwächegefühl. Rund um Feiern und Konsumkultur, etwa bei der bayerischen Festtradition, spielt Alkohol häufig eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
- Martin Morgenthaler und das Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern
- Acetaldehyd, Methanol und freie Sauerstoff-Radikale
- 80 Kilogramm Körpergewicht und 20 Gramm Ethanol
- Mineralstoffe, Schlaf und Katerfrühstück
Martin Morgenthaler und das Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern
Martin Morgenthaler, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern, beschreibt die Wirkung im Gehirn als gleichzeitiges Treten von Gas und Bremse. In den meisten Hirnregionen wirkt Alkohol dämpfend und verlangsamt die Reizübertragung zwischen Nervenzellen. Dadurch sinkt die Reaktionsfähigkeit. Das Sehvermögen lässt nach. Die Einschätzung von Situationen wird ungenauer.
Verlangsamt werden auch Zellprozesse in den Mitochondrien. Diese gelten als Kraftwerke der Zellen. Wird Alkohol zusammen mit Nikotin konsumiert, verstärkt sich dieser Effekt. Gleichzeitig gibt es aktivierende Wirkungen. Botenstoffe wie Endorphine, Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet. Das erklärt Euphorie und Enthemmung. Weitere sachliche Informationen bietet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Ergänzende Hintergründe zu regionalen Entwicklungen finden sich hier.
Acetaldehyd, Methanol und freie Sauerstoff-Radikale
Beim Abbau von Ethanol entsteht Acetaldehyd. Dieser Stoff verändert körpereigene Botenstoffe. In der Folge bilden sich freie Sauerstoff-Radikale. Sie gelten als Ursache für Kopfschmerzen. Zusätzlich enthält jedes alkoholische Getränk Methanol. Beim Abbau entstehen Formaldehyd und Essigsäure. Auch diese Substanzen tragen zu Übelkeit und Unwohlsein bei.
Ein weiterer Faktor ist die Entwässerung. Alkohol erhöht wie Kaffee die Häufigkeit des Toilettengangs. Dadurch verliert der Körper Wasser und Mineralstoffe. Das führt zu Schwindel, Kopfschmerz und starkem Durst. Besonders rasch steigt der Alkoholspiegel bei kohlensäurehaltigen, warmen und zuckerreichen Getränken wie Punsch oder Likören. Zu wenig Schlaf verstärkt die Beschwerden zusätzlich. Gesundheitliche Aspekte des Alltags werden auch im Bereich Leben regelmäßig aufgegriffen.
80 Kilogramm Körpergewicht und 20 Gramm Ethanol
Der Körper baut Alkohol langsam ab. Ein 80 Kilogramm schwerer Mann benötigt etwa 2,5 Stunden, um 20 Gramm Alkohol zu verarbeiten. Das entspricht ungefähr
- 0,5 Liter Bier
- 0,25 Liter Wein
- 3 Gläser Schnaps
Frauen brauchen für dieselbe Menge rund 3 Stunden. Die Aufnahme erfolgt schnell, der Abbau konstant und langsam. Geschwindigkeit und konsumierte Menge beeinflussen die Belastung deutlich.
Ein Extremfall der dämpfenden Wirkung ist der sogenannte Filmriss. Dabei funktioniert die Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis nicht mehr. Medizinisch gesehen ist der Filmriss eine Amnesie für Dinge, die ich gerade erlebe. Das Risiko steigt mit zunehmender Trinkgeschwindigkeit und höheren Mengen. Es erhöht sich zusätzlich, wenn Getränke gemischt oder mit anderen Drogen kombiniert werden.
Mineralstoffe, Schlaf und Katerfrühstück
Unruhiger Schlaf ist typisch nach starkem Alkoholkonsum. Zunächst wirkt Alkohol schlaffördernd. Später führen die beim Abbau entstehenden Giftstoffe zu wiederholtem Aufwachen. Der Tiefschlaf umfasst nicht mehr alle Hirnregionen. Der Frontallappen bleibt aktiv. Das kann negative Träume begünstigen. Am nächsten Tag fühlen sich viele erschöpft und abgeschlagen.
Empfohlen werden bei Mineralstoffmangel
- Stilles Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen
- Sauer-salzige Speisen wie Sauerkrauteintopf, Matjes oder Bratheringe
- Oliven, Salzgebäck und saure Gurken
Eine Bloody Mary aus Tomatensaft, Zitronensaft, Salz und Tabasco kann ebenfalls Mineralstoffe ergänzen. Obst und Vollkornprodukte unterstützen die Leber beim Abbau. Schmerzmittel belasten sie zusätzlich und sollten zurückhaltend eingesetzt werden. Nahrungsergänzungsmittel enthalten teils höhere Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen als offiziell empfohlen. Eine gesicherte Linderung der Symptome ist nicht belegt. Wer zwischen alkoholischen Getränken Wasser trinkt oder ganz darauf verzichtet, reduziert das Risiko für einen Kater deutlich.
FAQ
Wie schnell erreicht Alkohol das Gehirn?
Alkohol erreicht das Gehirn bereits nach etwa 6 Minuten und beginnt dort unmittelbar, die Reizübertragung zwischen Nervenzellen zu beeinflussen.
Was bedeutet der medizinische Begriff Veisalgia?
Veisalgia ist der medizinische Fachbegriff für einen Kater mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Nachdurst und allgemeiner Erschöpfung.
Wie lange dauert der Abbau von 20 Gramm Alkohol?
Ein 80 Kilogramm schwerer Mann benötigt etwa 2,5 Stunden für den Abbau von 20 Gramm Alkohol, während Frauen für die gleiche Menge rund 3 Stunden brauchen.
Warum verursacht Alkohol Kopfschmerzen?
Beim Abbau von Ethanol entsteht Acetaldehyd, das Botenstoffe verändert und freie Sauerstoff-Radikale bildet, die als Mitursache für Kopfschmerzen gelten. Zusätzlich entstehen beim Abbau von Methanol Formaldehyd und Essigsäure.
Was ist ein Filmriss?
Ein Filmriss ist eine Amnesie für aktuell erlebte Ereignisse, da die Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis vorübergehend nicht funktioniert.
Warum verschlechtert sich der Schlaf nach Alkoholkonsum?
Alkohol wirkt zunächst schlaffördernd, führt jedoch später durch entstehende Abbauprodukte zu häufigem Aufwachen, verändertem Tiefschlaf und erhöhter Aktivität des Frontallappens.
Was hilft gegen Mineralstoffmangel nach Alkohol?
Stilles Mineralwasser, Fruchtsaftschorlen sowie salz- und säurehaltige Speisen wie Sauerkraut, Matjes, Bratheringe oder Salzgebäck helfen, verlorene Mineralstoffe teilweise auszugleichen.
Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG, MILEKCORP