Stadtrat Ingolstadt berät über Sparmaßnahmen im Rathaus
Stadtrat Ingolstadt berät über Sparmaßnahmen im Rathaus, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Ingolstadt steht vor einer großen finanziellen Herausforderung. Die Stadt muss jährlich 88 Millionen Euro einsparen, um ihren Haushalt zu stabilisieren. Nach einer über zwölf Stunden dauernden Sitzung hat der Stadtrat nun konkrete Maßnahmen beschlossen. Betroffen sind vor allem Kultur, Soziales und Bürgerservice. Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) betonte zu Beginn der Sitzung, dass „jedes Steinchen umgedreht werden“ müsse. Die Diskussion zeigte, wie schwierig die Prioritätensetzung für die kommenden Jahre sein wird.

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Michael Kern fordert strenge Haushaltsdisziplin

Die Einsparungen, die am Donnerstag beschlossen wurden, belaufen sich auf 5,5 Millionen Euro. Trotz der relativ geringen Summe beharrte Oberbürgermeister Kern darauf, auch Kleinstbeträge zu prüfen. Er erklärte: „Wir gehen sorgsam mit dem Geld der Bürger um.“ Die Stadträte bearbeiteten eine Liste von 92 Punkten, die künftig reduziert oder gestrichen werden sollen. Besonders hart trifft es den Kulturbereich. Auf Gastspiele im Stadttheater sowie eine Interimsstätte für den Festsaal wird künftig verzichtet.

In den Spielstätten Kleines Haus, Studio und Freilicht muss je eine Produktion entfallen. Eine Sanierung des Stadttheaters bleibt vorerst unrealistisch. Unterstützung für den Erhalt des Freilichtkinos kam vor allem von Francesca Pane (Linke) und Barbara Leininger (Bündnis 90/Die Grünen). Weitere Informationen zu den wirtschaftlichen Hintergründen in der Region finden Sie unter Ingolstadt spart massiv.

Kürzungen bei Jugend, Senioren und Festen

Auch die sozialen Bereiche bleiben nicht verschont. Der geplante Ausbau der Jugendarbeit an Ingolstädter Schulen wird gestrichen.

Kürzungen treffen die Jugendarbeit an Ingolstädter Schulen
Kürzungen treffen die Jugendarbeit an Ingolstädter Schulen, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

 Es bleibt beim bisherigen Angebot. Schulen mit bestehenden JaS-Stellen sind davon nicht betroffen. Seniorenbünde verlieren finanzielle Unterstützung für Veranstaltungen wie Weihnachts- und Faschingsfeiern. Zudem entfällt die geplante aufsuchende Seniorenarbeit, da es an Fachpersonal mangelt.

Beim Herbstvolksfest und dem Bürgerfest sollen Kosten gedeckelt werden, der jährliche Turnus bleibt jedoch bestehen. Gespart wird auch beim Bürgerservice in den Stadtteilen. Dort sollen vor allem Personalkosten reduziert werden. Gleiches gilt für die Stadtbüchereien, die künftig früher schließen müssen. Der beliebte Bücherbus bleibt erhalten. Über weitere Einsparungen in Ingolstadt berichtet Ingolstadt kämpft mit historischem Haushaltsdefizit.

Wildpark bleibt erhalten

Trotz der Sparmaßnahmen einigte sich der Stadtrat darauf, den Wildpark nicht aufzugeben. Der Erhalt des Wildparks wurde fraktionsübergreifend beschlossen. Karl Ettinger (FDP) schlug vor, die Pflege künftig durch ehrenamtliche Kräfte zu übernehmen. Auch die Gründung eines Fördervereins steht zur Diskussion. Damit soll der Park langfristig gesichert werden.

In einer Stadt, die stark vom Automobilsektor abhängt, wie Ingolstadt, sind solche Maßnahmen ein Signal für Solidarität und Engagement. Mehr über die wirtschaftliche Situation der Autoindustrie lesen Sie unter Auto-Kommunen unter Druck.

Milliardenpaket bringt noch keine Entlastung

Ein Hoffnungsschimmer für die bayerischen Kommunen kam am Abend von Finanzminister Albert Füracker. Der Freistaat Bayern kündigte ein Hilfspaket in Höhe von 12,8 Milliarden Euro für 2026 an. Dieses soll im Rahmen des Finanzausgleichs verteilt werden. Für Ingolstadt ändert sich jedoch kurzfristig nichts. Ein Sprecher der Stadt erklärte, dass die Einnahmen wegbrechen und die Ausgaben steigen. Das beschlossene Sparpaket bleibt deshalb bestehen.

Die Stadtverwaltung betont, dass die Maßnahmen notwendig sind, um die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern. Ingolstadt gilt weiterhin als bedeutender Wirtschaftsstandort, auch wenn die Herausforderungen zunehmen. Weitere Informationen über die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt finden Sie unter Ingolstadt bleibt Bayerns Wirtschaftsmotor.

Die beschlossenen Kürzungen zeigen, dass Ingolstadt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit klare Prioritäten setzen muss. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, ob die Stadt ihre finanzielle Balance wiederfindet, ohne ihre kulturelle und soziale Identität zu verlieren.

Quelle: BR24