Bayern ist laut einer neuen Studie das am wenigsten erschwingliche Bundesland für den Kauf von Ein- und Zweifamilienhäusern. Dies ergab eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln gemeinsam mit dem Kreditvermittler Interhyp. Beide untersuchten, wie viel Prozent des Nettoeinkommens Käufer für Immobilien ausgeben müssen. Besonders teuer ist es in München, im Alpenraum und am Tegernsee. Am anderen Ende der Skala steht Holzminden in Niedersachsen als günstigste Kommune Deutschlands.
Inhaltsverzeichnis:
- Miesbach und München besonders teuer
- Holzminden als positives Beispiel
- Wohnbaukrise verschärft Lage
- Preise sinken nicht überall
Miesbach und München besonders teuer
Der Landkreis Miesbach belegt den ersten Platz unter den unerschwinglichsten Regionen. Dort liegt der Tegernsee, wo sich bekannte Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß niedergelassen haben. Auch das Münchner Umland und mehrere oberbayerische Landkreise erreichen hohe Preisniveaus. In diesen Gegenden müssen Käufer im Schnitt deutlich mehr als 35 % ihres Nettoeinkommens für die Finanzierung aufwenden – der Schwellenwert für Erschwinglichkeit laut Index.
Laut Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft liegt dieser Wert in München bei einem Jahreseinkommen von rund 80.000 Euro – bezogen auf das obere Drittel der mittleren Einkommensgruppe. Der Indexwert für München beträgt nur 59 Punkte, der niedrigste in ganz Deutschland. Hamburg liegt bei 90, ebenfalls unter dem bundesweiten Schnitt von 100 Punkten.
Holzminden als positives Beispiel
Die günstigste Region für Immobilienkäufer ist Holzminden in Niedersachsen. Der dortige Index liegt deutlich über dem Schwellenwert von 100 Punkten. Das bedeutet, dass dort weniger als 35 % des Nettoeinkommens für die Finanzierung eines Hauses aufgewendet werden müssen. Holzminden steht damit symbolisch für strukturschwächere, aber erschwinglichere Regionen.
Weitere vergleichsweise erschwingliche Städte in Bayern sind:
- Miltenberg
- Straubing
- Ingolstadt
- Erlangen
- Bayreuth
Diese Kommunen liegen im Index über der kritischen Marke, was sie für Familien deutlich attraktiver macht.
Wohnbaukrise verschärft Lage
Der Mangel an Neubauten trägt laut Experten zur Verteuerung bei. Michael Voigtländer prognostiziert eine jährliche Preissteigerung von 3 bis 5 % – sowohl bei Kaufpreisen als auch bei Mieten. Der Grund: geringe Bautätigkeit und steigende Nachfrage, besonders in wachsenden Regionen wie Bayern.
Hans Maier, Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen, fordert umfassende Neubauförderungen in allen Bereichen – vom sozialen Wohnbau bis zum privaten Eigenheim. Bayern sei ein wachsendes Bundesland, was sich auch im Wohnangebot widerspiegeln müsse.
Preise sinken nicht überall
Der Index ist im bundesweiten Durchschnitt aktuell bei 100 Punkten stabil. Das bedeutet zwar eine Verbesserung gegenüber den Vorjahren, als die Leistbarkeit niedriger war, doch laut Jörg Utecht von Interhyp hat sich die Lage zuletzt wieder leicht verschlechtert. Grund ist die Kombination aus leicht steigenden Preisen und langsamer Einkommensentwicklung.
Die Experten sind sich einig:
- Einziger Ausweg aus der Wohnbaukrise ist mehr Neubau.
- Ohne gezielte Maßnahmen drohen weitere Verschlechterungen.
- Besonders junge Familien sind von dieser Entwicklung betroffen.
Die Studie macht deutlich: Bayern bleibt Spitzenreiter – nicht nur bei Wirtschaftskraft, sondern auch bei Immobilienpreisen. Doch Erschwinglichkeit sieht anders aus.
Quelle: Ingolstadt-Today