Autoindustrie im Umbruch
Autoindustrie im Umbruch, Foto: Pixabay

Die deutsche Autoindustrie steht vor massiven Herausforderungen. Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Porsche und Audi meldeten zuletzt deutliche Gewinneinbrüche. Auch große Zulieferer wie Bosch, ZF und Continental kündigten Sparmaßnahmen und Stellenabbau an. Trotz Milliardenumsätzen ist der Druck auf die Branche so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die Zahlen zeigen, dass es sich nicht um eine kurzfristige Entwicklung handelt. Vielmehr reiht sich ein Problem an das nächste. Experten, Gewerkschaften und Industrievertreter sind sich einig, dass die Branche vor einem tiefgreifenden Wandel steht.

Inhaltsverzeichnis:

Mercedes-Benz mit deutlichem Rückgang

Mercedes-Benz erzielte im ersten Halbjahr ein Konzernergebnis von rund 2,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreswert von 6,1 Milliarden Euro ist das ein klarer Rückgang. Auch der Volkswagen-Konzern, zu dem Porsche und Audi gehören, meldete sinkende Gewinne, wenngleich weiter im Milliardenbereich. BMW verzeichnete ähnliche Entwicklungen.

Der Autoexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands Berlin betont, dass die Branche dennoch nicht am Abgrund stehe. Seiner Einschätzung nach profitierten die Hersteller in den Corona-Jahren von außergewöhnlichen Umständen. Knappheit an Chips führte dazu, dass weniger, aber teurere Fahrzeuge verkauft wurden. Die hohen Gewinnspannen dieser Zeit sind nun vorbei.

Elektromobilität in China schwach

Die deutschen Hersteller haben den Trend zur Elektromobilität verschlafen, insbesondere auf dem chinesischen Markt. Dort sind die Fahrzeuge deutscher Marken bei jungen Käufern wenig gefragt. Auch beim autonomen Fahren liegen die deutschen Unternehmen zurück.

Constantin Gall, Autoexperte bei EY, weist auf weitere Faktoren hin. Die deutschen Konzerne verlieren in China, ihrem wichtigsten Absatzmarkt, Marktanteile. Hinzu kommen Belastungen durch US-Importzölle. Er erklärt, dass die Gewinneinbrüche nicht nur auf äußere Einflüsse zurückzuführen seien. Versäumnisse im Kostenmanagement während der Jahre 2021 bis 2023 haben zusätzlich Probleme geschaffen.

Die Zahlen dieser Zeit:

  1. Rekordgewinne durch Chipmangel und Lieferkettenengpässe
  2. Höhere Preise für weniger Fahrzeuge
  3. Starke Margen, die sich nicht wiederholen ließen

Forschung mit hohen Kosten

Gall kritisiert, dass Milliarden in Forschung und Entwicklung geflossen seien, ohne dass die Ergebnisse stets überzeugen konnten. Seiner Ansicht nach braucht die deutsche Autoindustrie dringend schnellere und effizientere Entwicklungsprozesse.

Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner sieht die Lage ähnlich. In der EU werden die Absatzzahlen von vor der Pandemie nicht erreicht. Werke sind oft nicht voll ausgelastet. Für die Beschäftigten bedeutet dies Unsicherheit. Benner fordert, dass Lasten nicht einseitig auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden.

  • Management müsse mehr Verantwortung übernehmen
  • Aktionäre sollten geringere Dividenden akzeptieren
  • Transformation verursacht hohen Kostendruck bei Zulieferern

Zulieferer wie Bosch und Continental in Schwierigkeiten

Besonders hart trifft es die Zulieferer. Schwope erklärt, dass deren Gewinnspannen in den vergangenen Jahren äußerst schwach waren. Viele Unternehmen stehen am Rande der Existenznot. Hohe Investitionen in neue Technologien treffen auf ausbleibende Erträge.

Benner betont, dass gerade kleinere und mittlere Betriebe unter starkem Kostendruck stehen. Dies könne langfristig die gesamte Branche schwächen, da die Zulieferer entscheidend für die Innovationskraft sind.

Chinesischer Markt als Schlüssel

Um wieder stärker zu werden, müssen die deutschen Hersteller auf dem chinesischen Markt Boden gutmachen. Schwope empfiehlt, neue lokale Partner zu suchen. Gall ergänzt, dass die Unternehmen ihre internen Strukturen verschlanken und Prozesse beschleunigen müssten.

Einige Fortschritte bei der Elektromobilität sind sichtbar. Laut Benner investieren die Konzerne weiter in Zukunftsprodukte. Die Zahl verkaufter Elektrofahrzeuge steigt kontinuierlich. Sie weist jedoch darauf hin, dass Geduld nötig sei, da die Umstellung Jahre dauern werde.

Industrie und Politik gefordert

Die deutsche Automobilindustrie fordert Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern. Laut Jürgen Mindel, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie, sind Zulieferer international konkurrenzfähig, Deutschland als Standort jedoch nicht. Er fordert, dass Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität zur politischen Priorität werden.

Harald Christ, Berater, sieht Chancen für eine neue Innovationswelle. Er verweist darauf, dass die deutsche Autoindustrie in der Vergangenheit mehrfach abgeschrieben wurde und dennoch immer wieder zu alter Stärke zurückfand.

 Quelle: Donaukurier